Kultur
Die Architektur ist seit der Jahrhundertwende um 1900 zum Schauplatz erbittert ausgetragener ideologischer Kämpfe geworden: Klassizismus gegen Gründerzeit, Bauhaus versus Heimatstil, Moderne gegen Postmoderne, Flachdach gegen Steildach usw. Der Streit um die architektonischen Formen wurde seit der Russischen Revolution 1917 auch ein eminent politischer. Die Erbitterung, mit der bis zum heutigen Tag um Aussagen und Begriffe, »Diktatoren-Klassizismus«, »Ornament ist ein Verbrechen« oder »Verlust der Mitte«, diskutiert wird, belegen dies. So unterschiedliche Exponenten wie Peter Behrens, Adolf Loos, Le Corbusier, Frank Lloyd Wright, Heinrich Tessenow, Albert Speer oder Paul Schulze-Naumburg stehen für verschiedene Lebensgefühle, aber auch für verschiedene politische Weltentwürfe des 20. Jahrhunderts. Ihre Auseinandersetzungen sind für die Architektur und damit für das Aussehen der uns umgebenden Landschaft bis heute von großer Bedeutung.
Dreisprachiger Wandervogel-Atlas mit über 90 einzigartigen Fotografien »Wandern! Du Wort voll Himmel und seliger Weite! Voll singenden, klingenden Glücks! Frühlingsglockenklang, verhallendes Abendgeläut, rauschende Wipfel, Quellen in Wäldertiefen, Sterneneinsamkeit voll himmlischer Stimmen! O du Wort, wer fühlt deinen Zauber ganz aus! Du birgst grenzenlose Schönheit und immer neue Wunder! Wort, du bist Höhe und Freiheit, du bist Leben!« Mit hellen Augen und heißem Herzen werden all die neuen Eindrücke aufgenommen, wird Lebensgut gesammelt. Durch das Naturerleben erstarkt die Liebe zur heimatlichen Scholle, zum Vaterlande. Es wird nicht viel davon geredet: man lebt darin. Bildband über die Wandervogel-Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in deutscher, französischer und spanischer Sprache.
Die einzigartige Todesverachtung der Samurai hat der japanischen Kultur weltweite Bewunderung zuteilwerden lassen. Der Verfasser macht sich auf die Suche nach der Ursache für die Unbeugsamkeit der furchtlosen und opferbereiten Ritter Japans und durchforstet, in mythischer Vorzeit beginnend, religiöse, philosophische und historische Schriften sowie die Lebensäußerungen berühmter Japaner und spürt der Idee der »heldischen Größe« nach. In der fruchtbaren Mischung von Shintô und Buddhismus erkennt der Verfasser den Nährboden einer heroischen Lebenshaltung, eines heldischen Ethos, in der Geist und Ehre stets als oberste Prinzipien galten. Ein ebenso lehrreiches wie unzeitgemäßes Buch!
»Eine bis ins Detail exakte, liebevolle und künstlerisch wertvolle Interpretation, auch buchgestalterisch überaus gelungen.« (Dresdner Morgenpost) In diesem spektakulär gezeichneten und kunstvoll erzählten Werk präsentiert Philip Craig Russell (HELLBOY, Coraline, Sandman) eine Comic-Adaption von Richard Wagners Opernzyklus. Russell zeichnet damit auf eindrucksvolle Weise die Entwicklung der Figur des (Super-)Helden, wie wir sie heute kennen, nach. Er erinnert uns daran, warum die Kunstform des Comics ein Tor ist, durch das wir die Geschichten aus anderen Welten und der Mythologie betreten können, kurzum: ein Medium gleichermaßen geeignet für das Epos und die Oper. Seit ewigen Zeiten wachen die Rheintöchter über das magische Rheingold, das seinem Besitzer die Macht über die ganze Welt zu verleihen vermag. Sofern er denn der Liebe entsagt. Alberich, der Nibelungen-Zwerg, von seinem Volk verstoßen und von den Rheintöchtern verschmäht, verflucht die Liebe und schmiedet aus dem Rheingold eben jenen schicksalsträchtigen Ring. Dieser allein kann den Göttervater Wotan davor bewahren, Freia, Göttin der ewigen Jugend und Hüterin der goldenen Äpfel, den Riesen Fasolt und Fafnir zu überlassen. Der Ring des Nibelungen erzählt eine Geschichte voller Wendungen und Magie, in der Riesen gegen Götter intrigieren, deren Spielball die Lieben und Leiden der Menschen und Zwerge sind. Diese Adaption von Wagners Epos ist ein Genuss für Opernenthusiasten wie Comic-Liebhaber.
Es gibt ein Unbehagen am Eigenen in Deutschland. Wurde das Volk früher begriffen als eine Seinsform, in die man hineingeboren wurde, so wähnte sich das ichverpanzerte Individuum lange Zeit frei von solchen gemeinschaftsgeprägten Lebensbildern; nationale Identität war – so schien es gerade in den Jahrzehnten nach der Wiedervereinigung – einer nebulösen Weltbürgerlichkeit gewichen. Unterdessen begreifen mehr und mehr Bürger, dass in den unruhigen Jahren, die vor uns liegen, politische Gestaltungskraft nur von dem ausgehen kann, der sich seiner Wurzeln besinnt. Vor dem Hintergrund dieses Paradigmenwechsels unternimmt der Verfasser den Versuch, die Deutschen zu einer Affäre mit sich selbst zu verführen. Dazu werden die Entwicklungslinien von Volk und Nation in der deutschen Geistesgeschichte der letzten 250 Jahre nachgezeichnet. Dieses weite historisch-philosophische Panorama eröffnet Einblicke in das Verständnis der Gegenwart, die sich – im Gegensatz zu den Scheindebatten einer inszenierten Öffentlichkeit – als bestechend aktuell erweisen könnten.
Im September 2019 veröffentlichte die Deutsche Zoologische Gesellschaft öffentlichkeitswirksam ihre Jenaer Erklärung. Darin heißt es: »Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung.« Bereits seit Jahrzehnten erklingt in der westlichen Welt scheinbar einstimmig die Forderung, den Rassenbegriff überhaupt nicht mehr auf Menschen anzuwenden und selbst aus altehrwürdigen Verfassungstexten zu tilgen. Eine »historische Verantwortung« vor dem Hintergrund von Kolonialismus und Rassismus steht dabei ebenso im Raum wie heutige Diskriminierungsverbote. Und wer heute im deutschsprachigen Raum aufwächst, hört von Kindesbeinen an: »Rassen gibt es nicht, wir sind alle gleich.« Dabei weiß in Wahrheit jeder Mensch, was Rassen sind, und kann sie mit dem bloßen Auge problemlos erkennen. Was also steckt hinter dem Dogma »Rassen gibt es nicht«? Ist es wissenschaftlich fundiert, oder gibt es Gegenargumente? Wie konnte es sich bis heute immer weiter verfestigen? Dieses mutige Buch beleuchtet die Herkunft der »Rassenleugner«, ihre allmähliche Durchsetzung im westlichen Geistesleben und die gravierenden Folgen für Forschungsfreiheit und wissenschaftlichen Diskurs.
Julius Evola, der international berühmt-berüchtigte italienische Kulturphilosoph, sitzt von Alter und Krankheit geplagt in seiner verdunkelten Wohnung am Corso Vittorio Emanuele. Seine neurotische Haushälterin tyrannisiert ihn. Um den »Punkt« zu finden, der seine gegenwärtige Situation erklärbar macht, isst er von seiner geheimnisvollen Schokolade. Bilder aus seinem bewegten Leben tauchen auf: DADA, Rendezvous mit Frauen, die »Satanspriesterin« Maria Naglowska, Riten in einem Mithräum, Begegnungen mit Fellini, Graf Dürckheim, Mussolini und »seinen« Studenten: Evola-Jüngern. In Evolas Welt füllen sich die Reminiszenzen mit Leben, und die Wirklichkeit sinkt zu einem schattenhaften Traum hinab, während die Erinnerung das Ruder übernimmt. Bewegungslos in seiner Wohnung sitzend, wird der Geist des großen Philosophen zum esoterischen Nabel der Welt, zum Unbewegten Beweger. – Oliver Ritter, selbst bekennender Evolianer, hat sich intensiv mit dem Leben Evolas auseinandergesetzt und in dieser biographischen Novelle zahlreiche kaum bekannte Details verarbeitet. Herausgekommen ist ein farbenreich geschildertes Gemälde im Stil eines Hieronymus Bosch, surrealistisch und mitreißend, das den Leser das Schicksal eines zerschmetterten Helden im letzten Akt einer antiken Tragödie miterleben lässt, der dennoch stehend sterben will.
Ethnopluralismus ist ein Schlüsselbegriff. Man führt ihn rasch an. Bloß: Was ist das eigentlich? Die Gegner sagen: ein versteckter Rassismus. Wir sagen: Die schwer beschreibbare, jedenfalls unbedingt verteidigenswerte Mischung aus Kultur, Geschichte, Abstammung, Charakter. Martin Lichtmesz ist der erste, der diesen Begriff, sein Potential und seinen Missbrauch umfassend darzustellen vermag. Er hat sich über Jahre mit der Vielgestaltigkeit der Völker, mit Abgrenzung und Austausch, mit Dekonstruktion und Verallgemeinerung beschäftigt und verteidigt nun eines unserer zentralen Konzepte auf seine unnachahmliche Art. Ein eminent wichtiges Buch!
Comicroman: D’Annunzio, seine Männer und ihre Heldentaten Hast du vom Abenteuer von Fiume gehört? Es ist eine dieser »vergessenen Geschichten«, an die erinnert werden muss. Der Frontkämpfer, Utopist und Dichter Gabriele D’Annunzio will nach dem Ersten Weltkrieg nicht akzeptieren, dass Teile Italiens verloren sind. Mit ein paar Legionären erobert er Fiume und wird von den Bewohnern als Befreier empfangen. In der Hafenstadt rufen er und seine Männer ihre eigene Republik aus, die für Krieger, Künstler und Intellektuelle aus der ganzen Welt zu einem Leuchtfeuer wird. D’Annunzio und seine Mitstreiter geben sich eine eigene Verfassung und versuchen sich an neuen, gerechten und lebenswerten Gesellschaftsformen. Sie erschaffen einen Stil, Parolen und Symbole, die das 20. Jahrhundert prägen werden. Natürlich können sich die Alliierten diesen offenen Aufstand nicht bieten lassen und stacheln die Italiener zu einem Bruderkrieg an, der in einer Blutweihnacht endet. Fiume oder der Tod ist eine einzigartige Geschichte, von der die meisten noch nie gehört haben. Sie ist gefährlich, weil sie wahr ist und einen Ausweg aus den ausgetretenen Pfaden des 20. Jahrhunderts beschreibt. Genau das macht sie heute so lesenswert! Am Ende des Bandes findet sich auch die Carta del Carnaro, die Verfassung des Freistaates Fiume uns dem August 1920. Die Verfassung war die Grundlage für eine völlig neue Form der Gemeinschaft und enthielt anarchistische, korporatistische demokratische und verpflichtend künstlerische Elemente.
Brandenburger Tor, Reichstag, Wiener Ringstraße und Walhalla sind ebenso politische Architektur wie die Kelheimer Befreiungshalle und das Leipziger Völkerschlachtdenkmal, das 1945 gesprengte Tannenbergdenkmal, das Marine-Ehrenmal in Laboe und all die zahlreichen Gedenkstätten für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges bis hin zu den sowjetischen Ehrenmalen, die nach 1945 in Deutschland errichtet wurden, und den Gedenkstätten für die NS-Opfer. Auch Nutzbauten wie jene der Bauhaus-Bewegung und die Arbeiterburgen des „Roten Wien“ folgten ideologischen Vorgaben. Der Nationalsozialismus verstand Architektur überhaupt als „gebaute Weltanschauung“, wofür zahlreiche Beispiele in Wort und Bild gebracht werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die seit 1800 errichteten Bedeutungsarchitektur zunehmend in Verruf -und davon war nicht nur jene des Dritten Reiches betroffen. Gleichzeitig wird der politischen Architektur von heute gehuldigt, deren politische Aussage eine komplett andere geworden ist, wie sich etwa anhand des Bonner „Langen Eugen“ und dem Kanzlerbungalow zeigen lässt. Es gibt aber auch eine Gegenbewegung – die Rekonstruktionsbewegung –, der der Autor ein eigenes Kapitel widmet. Dresdner Frauenkirche oder Berliner Stadtschloss sind dafür nur die prominentesten Beispiele.
Als Howard Phillips Lovecraft 1937 starb, hinterließ er ein umfangreiches Werk, das überwiegend der phantastischen und der anspruchsvollen Horrorliteratur angehört. Der »Cthulhu-Mythos« ist wohl Lovecrafts bekannteste Schöpfung. In zahlreichen Erzählungen schildert er eine verborgene Dimension des Kosmos, die die weißen Flecken auf der Landkarte unserer Schulweisheit füllt und das Universum mit uralten und mächtigen Geschöpfen bevölkert, die den Menschen als einen unbedeutenden Epigonen erscheinen lassen.
Gibt es »linkes« und »rechtes« Bauen? Die Zerstörung der deutschen Städte im Luftkrieg stellte und stellt noch immer der rekonstruierenden Architektur in Deutschland in weit größerer Dringlichkeit als anderswo die Aufgabe, zwischen bloßer Wiederherstellung von Kulisse und belebter Traditionsbildung einen gangbaren Weg zu finden. Claus Wolfschlag war Ideengeber für das Projekt »Neue Altstadt« in Frankfurt am Main zwischen Römer und Dom. »Progressive« Architekten liefen Sturm gegen die Bebauung des Areals in einer Mischung aus Rekonstruktion von Patrizierhäusern und eingepaßten Neuentwürfen. Wolfschlag zeichnet in seinem ersten Essay für die Reihe »kaplaken« Linke Räume antifaschistischer Baupolitik nach, die sich destruktiv und vehement gegen die Rückeroberung der Tradition stemmt.
»Das ist eine solch rumänische Sache gewesen … es gibt keinen tieferen Ausdruck der rumänischen Seele!« So exaltiert äußerte sich noch 1997 der Philosoph Vasile Lovinescu über die Legion Erzengel Michael, jene politisch-spirituelle Organisation, die 1927 von Corneliu Zelea Codreanu gegründet worden war und die Jahrzehnte nach ihrer blutigen Zerschlagung von Historikern als »die radikalste faschistische Bewegung, die es je gab« eingeschätzt werden sollte. In den 1920er und 1930er Jahren agierten im Umfeld der Legion und ihres politisch-paramilitärischen Arms, der Eisernen Garde, rumänische Intellektuelle, die sich entweder bereits einen Namen gemacht hatten oder die später im westlichen Exil internationale Bekanntheit erlangen sollten. Fünf herausragende Geister Rumäniens werden hier in ihrem legionären oder prolegionären Wirken vorgestellt. Der Rumänienexperte Claudio Mutti setzt sich auf die Spur des Religionswissenschaftlers und Schriftstellers Mircea Eliade, des Philosophieprofessors Nae Ionescu, des später berühmt gewordenen Essayisten Emil M. Cioran, des Philosophen und Schriftstellers Constantin Noica sowie des rumänischen Vertreters der Integralen Tradition, Vasile Lovinescu. Die dargestellten Persönlichkeiten gingen mit ihrer »faschistischen Verstrickung« ganz unterschiedlich um: Einige schwiegen sich über ihre Vergangenheit aus, andere leugneten sie schlichtweg, und wieder andere standen vorbehaltlos zu ihr. Die hier erstmals in deutscher Sprache vorliegende grundlegende und quellenreiche Studie über die Eiserne Garde und wirkmächtige intellektuelle Protagonisten aus dem rumänisch-legionären Umfeld enthält zwei eigenständige Monographien: Mircea Eliade e la Guardia di Ferro und Le penne dell’Arcangelo sowie zwei weitere Texte von Claudio Mutti, die in der internationalen Forschung Beachtung gefunden haben. Ferner erschließt die vorliegende Studie den Zugang zu den belletristischen Werken Eliades, die oft »Schlüsselromane« sind und hinter deren Protagonisten sich mitunter reale Personen verbergen. Dieses Werk ist für Religions-, Literatur- und Geschichtswissenschaftler ebenso wertvoll wie für Romanistik-/Rumänisch-Studenten und Personen, die sich für Wissenschaftsgeschichte, Faschismustheorie, Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts sowie für allgemeine Geschichte interessieren.
»Was ich vor zehn Jahren noch für mich behalten hatte, werde ich nun offenlegen, um zu einem Ende zu kommen mit dem Krieg«, schreibt der französische Publizist und Schriftsteller Richard Millet in seinem Bericht Töten. Millet, der in seiner Kindheit einige Jahre im Libanon verbracht hatte, kehrte später dorthin zurück und kämpfte in der frühen Phase des Bürgerkriegs auf Seiten der christlichen Phalange. Immer wieder, wenn seine Beteiligung an diesem Krieg zum Thema wurde, stellte man ihm die halb gruselige, halb voyueristische Frage: »Haben Sie getötet?« Millet beantwortet diese Frage nicht knapp (soldatisch knapp?), sondern so, wie wir ihn aus seinen Texten kennen: als französischer Peter Handke – in Annäherungsschleifen und Abschweifungen, Selbstinfragestellungen und einer Scheu, zu sagen, dies sei einfach genau so und nicht anders gewesen. Hat Richard Millet getötet? Hat er einer völlig aus der Zeit gefallenen Beteiligung am Krieg die Krone aufgesetzt, indem er etwas tat, das noch viel gründlicher aus der Zeit gefallen ist? Mit im Buch übrigens: kurze Essays zum »Islamismus als Verbündetem des globalisierten Kapitalismus« und über »Christen im Orient«. Dazu ein ausführliches Gespräch mit Millet über die Lage Europas 2018 und ein Vorwort von Benedikt Kaiser.
Fußball! Politik! Kurvenleben! Zwischen Kop of Boulogne und Virage Auteuil, zwischen rechts und links schwankt beispielsweise die Pariser Fanszene. Und wie sieht es andernorts bei unseren französischen Nachbarn aus? Wir haben das passende Buch ins Sortiment aufgenommen. Eine Tour de France zu den wichtigsten Orten der französischen Ultrabewegung, von der ersten bis zur fünften Liga. Persönliche Gespräche vor Ort, von Marseille bis Lens, von Bordeaux bis Straßburg. 20 Städte, immer der Geschichte, der Entwicklung, dem aktuellen Stand der Ultrabewegung und der Mentalité Ultra hinterher. Erschienen ist das Buch ursprünglich in französischer Sprache, verfasst von Adrien Verrecchia, Bastien Poupat und Benoit Taix und verlegt von La Grinta Éditions. Blickfang Ultra hat sich an eine Übersetzung dieses Werkes gewagt und das Ergebnis spricht für sich.
Zu den Mythen der Ultrabewegung gehört der Ursprung ihres Namens. Eine davon erzählt, wie die Fans von Torino nach einer Niederlage den Schiedsrichter bis zum Flughafen verfolgten. Sie waren nach den Worten eines Journalisten ultra, also extrem oder jenseits von. Dieses Jenseits wohnt der Bewegung seitdem inne, sowohl in positiver wie auch negativer Hinsicht und sorgt bis heute dafür, dass sie polarisiert. In seinem Werk arbeitet sich Tobias Jones an diesem Widerspruch ab und legt beide Pole offen. Zuerst am Beispiel von Cosenza, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im italienischen Mezzogiorno. Eine Stadt, deren Geschichte nicht nur mit der Antike verknüpft ist, sondern auch mit der Neuzeit, insbesondere durch die italienische Ultrabewegung. In Cosenza geht Ultra um mehr. Um eine Bewegung, die mehr ist als die Show im Stadion und die Schlagzeilen in der Boulevard-Presse, nämlich grundlegend solidarisch, in die Gesellschaft hineinreichend. Damit stehen die Ultras von Cosenza jenseits des verkommenen italienischen Fußballs, bzw. dem modernen Fußball mit seinen turbo-kapitalistischen Ausprägungen, der sich gegenüber den Ultras in stetiger Repression zeigt: Hier noch ein Stadionverbot, da noch eine Auflage, und diese Zaunfahne ist übrigens auch verboten. Die Fallstudie der Ultras von Cosenza kontrastiert Tobias Jones mit dem anderen Extrem der Bewegung, wo sie sich mit dem Jenseits, dem Abgründigen des modernen Fußballs gemein macht und es sogar verkörpert. Die rechtsextreme Politik, die mafiösen Verstrickungen, das Ultra-Business. Das dritte Jenseits handelt von Drogen, der Gewalt und letztlich auch den zahlreichen Toten der italienischen Ultrabewegung und ihrem Gedenken, im religiösen Sinne, im Jenseits.
Scheinbar instinktiv hat eine sehr große Zahl von Menschen ein verblüffend ähnliches Gespür für als schön oder hässlich empfundene Stadträume. Sehr häufig wird historischer/historisierender Architektur der Vorzug vor modernistischen Neubauten gegeben. Immer wieder ist zu hören, dass viele deutsche Städte ein Defizit an historischer Architektur und damit an urbaner Ästhetik aufweisen. Dies ist die Folge sowohl der Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges als auch der modernistischen Stadtplanungen und Abrisse der Nachkriegszeit. Hier setzt die heutige Rekonstruktionsbewegung an. Sie bemüht sich darum, verlorene historische Gebäude erneut zu errichten. Sie versucht, bedeutende historische Bauwerke oder Stadtensembles notfalls auch durch den Nachbau von Kopien zurückzuholen. Sie möchte die von falschen Planungen oft zerrissenen Stadtbilder heilen und schöne Orte (wieder) erschaffen. Dieses Buch widmet sich der deutschen Rekonstruktionsbewegung zwischen 1990 und 2020. Vorgestellt werden Projekte ganz unterschiedlicher Entwicklungsgeschichten. Oft stecken engagierte Bürgerinitiativen hinter der Realisierung, nicht selten gegen Widerstände aus Architektenschaft und Politik. Es gibt aber auch Rekonstruktionen, die von privaten Bauherren, Stiftungen oder gar politischen Gremien initiiert oder maßgeblich vorangetrieben werden.
Die Frage der menschlichen Rassen ist das größte Tabu unserer Tage. Politik, Medien und selbst die Wissenschaften verkünden mit Nachdruck, dass es Menschenrassen überhaupt nicht gäbe – dass sie lediglich »soziale Konstrukte« seien und unsere biologischen Unterschiede nicht bis »unter die Haut« reichen würden. Doch wie bei früheren Tabus wirkt unser Umgang auch mit diesem Thema bei genauerem Hinsehen wahnhaft und unlogisch. Dass es Unterschiede zwischen den Rassen gibt, tritt etwa bei internationalen Sportveranstaltungen für jeden Zuschauer offen zutage. Im Gesundheitswesen wird die Rasse mehr und mehr zum essenziellen Faktor, besonders in Fragen der Krankheitsanfälligkeit und der Kompatibilität von Spenderorganen. Und in einer globalisierten Welt sind Ethnonationalismus – und ethnische Konflikte – unausweichliche politische Realitäten. Die Rassen sind überall … und gleichzeitig scheinbar nirgendwo, weil das Thema als unzulässig für die offene Diskussion erklärt wurde. Mit seinem Grundlagenwerk bahnt der Autor eine Schneise durch das Dickicht aus Widersprüchen, Beschönigungen und Irrtümern. Sorgfältig und systematisch werden die Argumente gegen den Rassenbegriff widerlegt und klargestellt, dass es sich bei diesem um eine ebenso korrekte biologische Kategorie wie der Begriff der Spezies handelt. Und sie unterscheiden sich doch führt den Leser auf dem aktuellen Stand der Forschung durch die faszinierende Welt der evolutionär entwickelten, beständigen physischen und psychischen Unterschiede zwischen den Rassen, seitdem diese sich in ihrer Entwicklungsgeschichte an unterschiedliche Umgebungen angepasst haben. Von Intelligenz und Persönlichkeit über Religiosität und Nationalismus bis hin zu körperlichen Eigentümlichkeiten und selbst dem Wesen der Träume – in diesem Buch erfahren Sie alles, was Sie schon immer über Rassen wissen wollten, aber vielleicht nicht zu fragen wagten.
Bis 2012 war der Schriftsteller Richard Millet fester Bestandteil der geistigen Welt Frankreichs, zwei seiner Romane sind in deutscher Übersetzung erschienen. Mittlerweile gilt er als gefährlich, weil seine »Eloge auf Breivik« nicht ins intellektuelle Spiel passt und einen Skandal internationalen Ausmaßes auslöste. Millet formulierte darin seine Abneigung gegen die aufgezwungene Ideologie des Multikulturalismus und gegen Breiviks Tat als eines Symptoms für den Verfall angemessener Widerstandsformen. Millets Ausbruch steht nicht isoliert – die politischen Publizistik markiert längst verlorene Posten, die einzunehmen jedem redlichen Autor gut zu Gesicht stünde. Der vorliegende Band versammelt alle essentiellen Texte Millets, darunter »Antirassismus: Terror gegen die Literatur«, »Der Schriftsteller als Partisan« und »Der erschöpfte Sinn«. Der nun erschienenen, überarbeiteten Neuausgabe der Essays ist eine Auseinandersetzung mit dem Werk Millets aus der Feder von Thorsten Hinz vorangestellt.
In diesem Buch geht es um die differentielle Völkerpsychologie oder Völkercharakterologie, das heißt um die charakteristischen Eigenschaften der verschiedenen Völker, durch die sie sich voneinander unterscheiden. Es gibt einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklung der Völkerpsychologie von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. In jeder Bevölkerung findet sich eine große Variabilität der Temperamente und Begabungen. Es gibt aber auch Unterschiede zwischen den Rassen und Völkern in der Wahrscheinlichkeit, Häufigkeit und Intensität der Realisierung eines bestimmten Verhaltens. Völkerpsychologische Aussagen sind also immer nur relative Aussagen. Beobachtungen über die psychischen Eigenschaften der verschiedenen Völker gibt es seit der Antike. Damals entstanden zum Beispiel Tacitus’ Werk über die Germanen und Poseidonios’ über die Kelten. Die neuzeitliche Völkerpsychologie ist ein Kind der Aufklärung und der Romantik. Von der Aufklärung kommt das wissenschaftliche Interesse und von der Romantik die Wertschätzung der Individualität der Völker. In den jeweils eigenen Kapiteln werden die theoretischen und methodischen Ansätze und die mit ihnen gewonnenen Erkenntnisse für die verschiedenen Völker dargestellt. Als Grundlage dienen Berichte von Forschungsreisenden, die geisteswissenschaftliche Völkerpsychologie, die amerikanische Kultur- und Persönlichkeitsschule, die Testpsychologie, die Forschungen über Intelligenzunterschiede, die Sprachpsychologie, Vorurteile und Stereotypen, die Kulturvergleichende Psychologie und die moderne Verhaltensgenetik. In dieser dritten Auflage des Buches ist besonders das Kapitel über die moderne Verhaltensgenetik aktualisiert und stark erweitert worden.