Schöne Literatur
Teheran 1979: Die Stadt liegt in einem schwer durchschaubaren Taumel, es ist der Vorabend der islamischen Revolution – des Aufstandes der Anhänger Ajatollah Khomeinis gegen den Schah und sein westliches Regime. Der Erzähler, ein junger deutscher Innenarchitekt, und sein hoch gebildeter, zynischer, gesundheitlich zerstörter Freund Christopher reisen zu der Musik von Devo und Blondie durch den Iran bis nach Teheran. Panzer stehen an den Straßenkreuzungen, doch die beiden Protagonisten sehen dies nicht. Sie unterhalten sich lieber über Herrensandalen und Bezüge von Sofakissen. Und deshalb kommen beide in die Hölle. In seinem Roman 1979 inszeniert der Autor in staubtrockenem Ton eine postmoderne Groteske, die seltsam verstörende Bilder hinterlässt. Vor allem aber ist es ein großartiges Stück deutschsprachiger Literatur, dessen Klang völlig eigenständig ist, bisher ungehört. In einer extrem disziplinierten, betörenden Sprache saugt Christian Kracht den Leser in eine Geschichte über das Ende der Zivilisation hinein. Es gibt kein Entkommen. Philip Stein und Volker Zierke haben im Jungeuropa-Podcast ausführlich über Christian Kracht gesprochen. Hier anhören.
Einer der großen Romane von Yukio Mishima in neuer Übersetzung! Kochan wächst, abgeschirmt von Jungen seines Alters, im imperialistischen Japan auf. Doch er merkt, dass er nicht das ist, was man von ihm erwartet: Nicht nur ist er körperlich schwächer als andere, er entwickelt auch eine Faszination für Tod, Gewalt, Sex und den männlichen Körper. Unter den strengen Blicken der japanischen Gesellschaft beginnt er, sich eine Maske zu formen, die sein wahres Selbst verbergen soll. Mehr noch: Er will sie sich als neue Identität aufzwingen. Das Mädchen Sonoko und die Heirat mit ihr soll alle, einschließlich ihn selbst, hinters Licht führen. »Ein Klassiker der Weltliteratur.« (SRF Literaturclub)
»Mishima packt in die Figur des Brandstifters ein Bündel an Reflexionen über Gut und Böse, Wahrheit und Verbrechen, das Leiden an der modernen Zivilisation und die damals in Japan noch stark empfundene Demütigung durch die Niederlage gegen die US-Amerikaner.« (Deutschlandfunk Kultur) Der junge Mizoguchi stottert und wird von seinen Altersgenossen gemieden. Er fühlt sich allein, bis er Novize in einem berühmten Tempel in Kyoto wird. Gebannt von der allumfassenden Schönheit des Tempels, entwickelt er eine gefährliche Obsession und steuert unweigerlich auf eine Katastrophe zu.
»Eine bis ins Detail exakte, liebevolle und künstlerisch wertvolle Interpretation, auch buchgestalterisch überaus gelungen.« (Dresdner Morgenpost) In diesem spektakulär gezeichneten und kunstvoll erzählten Werk präsentiert Philip Craig Russell (HELLBOY, Coraline, Sandman) eine Comic-Adaption von Richard Wagners Opernzyklus. Russell zeichnet damit auf eindrucksvolle Weise die Entwicklung der Figur des (Super-)Helden, wie wir sie heute kennen, nach. Er erinnert uns daran, warum die Kunstform des Comics ein Tor ist, durch das wir die Geschichten aus anderen Welten und der Mythologie betreten können, kurzum: ein Medium gleichermaßen geeignet für das Epos und die Oper. Seit ewigen Zeiten wachen die Rheintöchter über das magische Rheingold, das seinem Besitzer die Macht über die ganze Welt zu verleihen vermag. Sofern er denn der Liebe entsagt. Alberich, der Nibelungen-Zwerg, von seinem Volk verstoßen und von den Rheintöchtern verschmäht, verflucht die Liebe und schmiedet aus dem Rheingold eben jenen schicksalsträchtigen Ring. Dieser allein kann den Göttervater Wotan davor bewahren, Freia, Göttin der ewigen Jugend und Hüterin der goldenen Äpfel, den Riesen Fasolt und Fafnir zu überlassen. Der Ring des Nibelungen erzählt eine Geschichte voller Wendungen und Magie, in der Riesen gegen Götter intrigieren, deren Spielball die Lieben und Leiden der Menschen und Zwerge sind. Diese Adaption von Wagners Epos ist ein Genuss für Opernenthusiasten wie Comic-Liebhaber.
Ernst Wiecherts Roman »Der Totenwolf« entstand in seiner frühen Schaffensperiode, die noch ganz vom Zeitgeist nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg geprägt war: die alte Ordnung zusammengebrochen, eine neue noch nicht erkennbar, die abendländische Zivilisation pulverisiert auf den Schlachtfeldern Europas. Vor diesem düsteren Hintergrund entstand »Der Totenwolf«, ein erzählerisches Manifest: heidnisch, antichristlich und deutschbewusst. Ein Sinn- und Gottsucherroman, der durch die einfühlsamen Schilderungen seelischer Verwerfungen seiner Protagonisten, den spannungsreichen Aufbau eines dramatischen Geschehensablaufs und vor allem durch sprachliche Schönheit verzaubert und zugleich verstört. Wolf Wiedensahl wächst als Kind – verstoßen von seinen Eltern – bei seiner Großmutter in den masurischen Wäldern auf. Eine heile ostpreußische Welt, fernab der Zivilisation, einfach und von einer naturmystischen Magie umhüllt und geschützt. Als Wolfs Vater nach Jahren wiederkehrt und ihn zum Schulbesuch nötigt, erlebt der Junge zum ersten Mal die Grausamkeit der Welt außerhalb des Idylls. Dann kommt der Krieg, den Wolf als Soldat und Offizier erlebt. Meisterhaft und sprachgewaltig sind Wiecherts Schilderungen der Kämpfe und des Sterbens an den Fronten, eine grausame Ästhetik des Schreckens, ein rauschhaftes Ausleben unerfüllbarer Erlösungsphantasien im Ringen um Leben und Tod. Heimgekehrt und seelisch zerrüttet findet Wolf nun keine Heimat und keinen Halt mehr, sondern nur noch eine Gesellschaft hedonistischer Dekadenz. Und der Totenwolf beginnt seinen Rachefeldzug!
Seinen frühen Roman »Der Wald« aus dem Jahr 1922 nannte Wiechert selbst einen »Gottsucherroman«. Wie im Rausch geschrieben, finden sich hier bereits die im späteren Werk wiederkehrenden Motive: die Verbundenheit mit der masurischen Heimat, eine existentielle Naturliebe, radikale Stadt- und Zivilisationskritik, seelezerrüttende Kriegserfahrungen und als Gegenentwurf zum Heraufziehen einer zerstörerischen Moderne die pantheistische Sinnsuche. Henner Wittich, ein abgedankter Hauptmann des Weltkrieges, kehrt heim in die dunklen Wälder Ostpreußens. Sein Onkel Franziskus, Besitzer eines großen Waldes, ist soeben Opfer eines Mordanschlages geworden. Henner tritt seine Nachfolge als Hüter und Herr des Waldes an und schwört, Rache zu nehmen an Franziskus’ Mördern. Ein unheilvolles Geschehen nimmt seinen Lauf.
»Die Schatten des Krieges liegen tausendfältig über diesem Werke. Es ist begonnen worden an der galizischen Front und beendet in den Stollen der Champagne. Österreichische Offiziere sangen mir all-abendlich das Lied von den Kranichen, weil sie wußten, daß es Gestalt werden sollte in diesen Blättern, und als die Blätter beendet waren, fiel schon die Nacht des Schicksals über ihr Heimatland. Vaterland starb mir und Kind in jener Zeit. Und die Seele, die noch zwischen den Dingen stand, schrieb müde Worte, die am Sinn des Seins verzagten. Sie gab ihn noch nicht der Wirrnis des Lebens, sondern sie suchte ihn noch darin.« (Ernst Wiechert, Einleitung zu »Die blauen Schwingen«) In diesem frühen Roman aus dem Jahr 1925 sind bereits die wesentlichen Motive des späteren schriftstellerischen Gestaltens und Wirkens des Ostpreußen Ernst Wiechert vorgezeichnet: die enge Verbundenheit mit der Heimat, das Geborgenfühlen in der Natur, die Sehnsucht nach Stille und dem einfachen Leben, die religiös grundierte Suche nach dem Sinn des Daseins, das vorsichtige Herantasten an eine Metaphysik der Liebe und die Skepsis gegenüber dem Lauten, Prahlerischen der Moderne.
Neuübersetzung! Fäulnis und Zerstörung malt dieser epochale Roman in Bildern voll unvergesslicher Schönheit. Und in unserer friedensfernen Gegenwart ist er so aktuell wie bei seinem Erscheinen. Neapel 1943: Den Krieg gegen die Alliierten haben die Italiener verloren; nun kämpfen sie mit ihnen gegen die Deutschen. Der Protagonist namens Malaparte, Verbindungsoffizier bei den Besatzern, begibt sich auf eine Odyssee durch ein zerstörtes Land, dessen Bewohner in Elend und Chaos leben. Zwischen den Trümmern, unter denen Tote begraben liegen, verkaufen Frauen wie Männer ihre Körper an die GIs und die spendablen GIs an ihre Landsleute. Im Kampf ums nackte Überleben nimmt auch die Menschenwürde Schaden; der Erzähler stemmt sich mit allen Mitteln des Denkens und der Sprache dagegen, zynisch, anklagend, philosophisch, poetisch, zutiefst menschlich. Dann bricht in der mythischen Landschaft Kampaniens der Vesuv aus …
Die Wiedergeburt der gothic novel aus dem Geist des Kinos Christian Krachts neuer Roman Die Toten führt uns mitten hinein in die gleißenden, fiebrigen Jahre der Weimarer Republik, als die Kultur der Moderne, besonders die Filmkultur, eine frühe Blüte erlebte. Hier, in Berlin, »dem Spleen einer unsicheren, verkrampften, labilen Nation«, versucht ein Schweizer Filmregisseur, angestachelt von einem gewissen Siegfried Kracauer und einer gewissen Lotte Eisner, den UFA-Tycoon Hugenberg zur Finanzierung eines Film zu überreden, genauer gesagt: eines Gruselfilms, genauer gesagt: in Japan. Das überschneidet sich mit ebensolchen Plänen im dortigen Kaiserreich, mit denen man dem entstehenden Hollywood-Imperium Paroli bieten will ... Ein Roman in betörend-magischer Sprache, der das Geheimnis des Films als Kunstwerk der Moderne feiert, seine großen Meister von Murnau bis Lang, die Sehnsucht großer Künstler nach Transzendenz und Erlösung und die Erinnerung als Quelle unseres Ichs. Ein Roman über die Geister, die ständig unter uns sind, ob wir es wollen oder nicht. Philip Stein hat die Die Toten ausführlich besprochen. Hier anhören.
Julius Evola, der international berühmt-berüchtigte italienische Kulturphilosoph, sitzt von Alter und Krankheit geplagt in seiner verdunkelten Wohnung am Corso Vittorio Emanuele. Seine neurotische Haushälterin tyrannisiert ihn. Um den »Punkt« zu finden, der seine gegenwärtige Situation erklärbar macht, isst er von seiner geheimnisvollen Schokolade. Bilder aus seinem bewegten Leben tauchen auf: DADA, Rendezvous mit Frauen, die »Satanspriesterin« Maria Naglowska, Riten in einem Mithräum, Begegnungen mit Fellini, Graf Dürckheim, Mussolini und »seinen« Studenten: Evola-Jüngern. In Evolas Welt füllen sich die Reminiszenzen mit Leben, und die Wirklichkeit sinkt zu einem schattenhaften Traum hinab, während die Erinnerung das Ruder übernimmt. Bewegungslos in seiner Wohnung sitzend, wird der Geist des großen Philosophen zum esoterischen Nabel der Welt, zum Unbewegten Beweger. – Oliver Ritter, selbst bekennender Evolianer, hat sich intensiv mit dem Leben Evolas auseinandergesetzt und in dieser biographischen Novelle zahlreiche kaum bekannte Details verarbeitet. Herausgekommen ist ein farbenreich geschildertes Gemälde im Stil eines Hieronymus Bosch, surrealistisch und mitreißend, das den Leser das Schicksal eines zerschmetterten Helden im letzten Akt einer antiken Tragödie miterleben lässt, der dennoch stehend sterben will.
»Ein metaphysischer Romancier. Vielleicht: der letzte grosse metaphysische Romancier dieser Zeit.« (Philipp Theisohn) »Also, ich musste wieder auf ein paar Tage nach Zürich. Es war ganz schrecklich. Aus Nervosität darüber hatte ich mich das gesamte verlängerte Wochenende über so unwohl gefühlt, dass ich unter starker Verstopfung litt. Dazu muss ich sagen, dass ich vor einem Vierteljahrhundert eine Geschichte geschrieben hatte, die ich aus irgendeinem Grund, der mir nun nicht mehr einfällt, Faserland genannt hatte. Es endet in Zürich, sozusagen auf dem Zürichsee, relativ traumatisch.« Christian Krachts lange erwarteter neuer Roman beginnt mit einer Erinnerung: vor 25 Jahren irrte in Faserland ein namenloser Ich-Erzähler (war es Christian Kracht?) durch ein von allen Geistern verlassenes Deutschland, von Sylt bis über die Schweizer Grenze nach Zürich. In Eurotrash geht derselbe Erzähler erneut auf eine Reise – diesmal nicht nur ins Innere des eigenen Ichs, sondern in die Abgründe der eigenen Familie, deren Geschichte sich auf tragische, komische und bisweilen spektakuläre Weise immer wieder mit der Geschichte dieses Landes kreuzt. Eurotrash ist ein berührendes Meisterwerk von existentieller Wucht und sarkastischem Humor. Den neuen Roman von Christian Kracht haben Volker Zierke und Philip Stein ausführlich besprochen. Hier anhören.
»Faserland war einmal Debüt, jetzt ist es ein Fossil, angeschwemmt an den Ufern des Zürichsees und aufgelesen von einem erstaunten Kind.« (Frank Schirrmacher) »Also, ich stehe da bei Gosch und trinke ein Jever.« Die Kontroversen, die 1995 sofort nach der Veröffentlichung des Romans Faserland ausbrachen, haben sich gelegt, der Roman ist heute ein Klassiker der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, der immer wieder neue Generationen von Lesern fasziniert. »Ein junger Mann irrt durch die alte Bundesrepublik. Wir schreiben das Jahr 1995, und die Mauer ist gefallen, das interessiert den jungen Mann aber nicht. Von Nord nach Süd lässt er sich treiben, von Sylt zum Bodensee, dann weiter nach Zürich ans Grab von Thomas Mann. Betrunken ist er häufig, angewidert eigentlich ständig. Von den Menschen, dem Land, der Zeit. Geld hat er viel, Stil auch, nur Halt hat er keinen. Er versteht alles, sagt er, dann entgleitet ihm wieder alles. Christian Kracht legt in seinem Debütroman Faserland das hedonistische Zeitalter der Bundesrepublik, legt seine eigene Generation unters Mikroskop. Und findet hinter tausend Marken, hinter tausend Masken, unter einer meterdicken Oberfläche keine Welt. Als Geburt der Popliteratur in Deutschland wurde Krachts schnoddrig-verzweifeltes Debüt bezeichnet. Es war nicht ihre Geburt, es war ihre Hinrichtung.« (Elmar Krekeler) Im Jungeuropa-Podcast haben Volker Zierke und Philip Stein ausführlich über Christian Kracht gesprochen. Hier anhören.
Die Novelle Fiume oder der Tod erzählt die abenteuerliche Geschichte der Stadt Fiume, die der legendäre Dichtersoldat Gabriele D’Annunzio am 12. September 1919 mit seiner kleinen Privatarmee besetzt. Während seiner 15 Monate dauernden Herrschaft über die Stadt fröhnt D’Annunzio radikal archaischer Mythizität. In einem farbenprächtigen Szenario verbindet D’Annunzio lebendige römische Tradition mit modern-dekadentem Hedonismus und schafft eine Schnittstelle protofaschistischen Lebensgefühls. Zwischen Stiefeltritten stolzer Legionari und mediterranem dolce vita halten Mars und Eros stürmische Hochzeit – das Leben feiert sich als Gesamtkunstwerk. In der von D’Annunzio für Fiume entworfenen Verfassung wird die Ästhetik zum Gesetz erklärt. Künstler, Abenteurer, Intellektuelle und Soldaten tanzen ihren letzten Tanz im blutroten Abendsonnenschein in der untergehenden Stadt.
Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten ist die literarische Erfindung eines alternativen Verlaufs der Weltgeschichte seit dem 1. Weltkrieg. Eine spannende Reise ans Ende der Nacht … Der Krieg der Schweizer! Es ist das Jahr 1917. Lenin besteigt nicht den plombierten Waggon von Zürich nach St. Petersburg. Die russische Revolution findet nicht statt. Stattdessen erlebt die Schweiz einen kommunistischen Umsturz, und die Geschichte des 20. Jahrhunderts entwickelt sich völlig anders als wir sie heute kennen. Christian Kracht beginnt sein neues Werk mit der präzisen Sprache eines Kriegsberichts, doch allmählich schleichen sich Elemente des Unwirklichen ein, und die uns bekannten Parameter verschieben sich mehr und mehr. So erzählt dieser zunächst historisch anmutende Roman die Geschichte eines Schweizer Politkommissars, der einen Mord aufklären soll und zur Réduit, zur großen Schweizer Bergfestung, in das Herz der Finsternis reist. Der poetische Zauber, mit dem sich Christian Krachts düster-schillernder Zukunftsentwurf in fast filmischen Bildern wie ein – durch einen alten Projektor ratternder – Dokumentarfilm auf die Netzhaut des Lesers projiziert, liegt vor allem darin, dass er zwar innerhalb uns bekannter Koordinaten, jedoch in einer uns vollkommen fremden Welt spielt. Einer Welt, in der die Schweiz ein sozialistisches Imperium ist, eine Kolonialmacht, die sich im immerwährenden Krieg befindet. Zugleich Polit-Thriller, Science-Fiction und historischer Roman, führt uns Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten in eine betörend fremde Welt, an dessen Ende nur die Kraft der Liebe steht. Christian Kracht und sein Œuvre wurden von Philip Stein und Volker Zierke im Jungeuropa-Podcast ausführlich besprochen. Hier anhören.
»Ein Meisterwerk ... einzelne Szenen sind mit ihrem Humor unvergesslich.« (Die Welt) In Imperium erzählt Christian Kracht eine Aussteigergeschichte in den deutschen Kolonien der Südsee, indem er virtuos und gut gelaunt mit den Formen des historischen Abenteuerromans eines Melville, Joseph Conrad, Robert Louis Stevenson oder Jack London spielt. Die Welt wollte er retten, eine neue Religion stiften, gar ein eigenes Reich gründen – eine Utopie verwirklichen, die nicht nur ihn selbst, sondern die Menschheit erlöst, fernab der zerstörerischen europäischen Zivilisation, die gerade aufbricht in die Moderne und in die Katastrophen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Doch in der Abgeschiedenheit der Südsee, in einer Kolonie des wilhelminischen Deutschland, gerät ein von einem vegetarischen Spleen besessener Sonnenanbeter in eine Spirale des Wahnsinns, die die Abgründe des 20. Jahrhunderts ahnungsvoll vorwegnimmt. In seinem vierten Roman zeichnet Christian Kracht die groteske, verlorene Welt von Deutsch-Neuguinea, eine Welt, die dem Untergang geweiht ist und in der sich doch unsere Gegenwart seltsam spiegelt. Zugleich aber ist Christian Krachts Imperium eine erstaunliche, immer wieder auch komische Studie über die Zerbrechlichkeit und Vermessenheit menschlichen Handelns. Volker Zierke und Philip Stein haben das Gesamtwerk von Christian Kracht ausführlich besprochen. Der Podcast kann hier angehört werden.
»Es liest sich, als wäre einer der ganz Großen auferstanden, um sein Werk um ein wesentliches Kapitel zu ergänzen.« (Der Spiegel) Flandern im Herbst 1914. Gleich zu Beginn des Kriegs wird der junge Soldat Ferdinand schwer verwundet. Unter furchtbaren Bedingungen operiert, kommt er halb tot ins Militärkrankenhaus, wo eine Krankenschwester ihn pflegt, die ihn sexuell so anzieht wie er umgekehrt sie. Das Rauschen im Ohr raubt Ferdinand den Schlaf, viel schlimmer aber sind die Bilder im Kopf. Zurück im Leben, freundet er sich mit dem Zuhälter Bébert an und gibt sich zügellosem Vergnügen hin. Er überlistet den Tod, befreit sich von dem Schicksal, das ihm bestimmt war. Die betäubende Gleichzeitigkeit von Kriegsgrauen, Naturschönheit, menschlicher Verrohung, Zynismus und Liebessehnsucht macht die Einzigartigkeit dieses Buches aus. Ein unvergesslicher Roman über die Hölle, die die Menschen sich gegenseitig bereiten. »Ein kurzer, lebendiger, tragischer und schlüpfriger Text, der sich einreiht in die Meisterwerke des Autors. Ein Ereignis.« (Le Monde des Livres)
Der Nachfolger von Laternenpfähle warten! In den Machenschaften rund um den Aufbau einer schwarzen Reichswehr, die im sowjetischen Russland heimlich eine neue Panzerwaffe und Taktiken des Luftkampfs ausprobieren könnte, trifft die russische Geheimagentin Larissa auf Hauptmann a.D. Illgen, der sich – wie fast jeder Mann – sofort in sie verliebt. Aber das ist nur Boulevard, Oberfläche. Illgen wird mit den deutschen Nachkriegsgewinnlern brechen, nach Moskau reisen und im Auftrag Trotzkis den bolschewistischen Kampf um die Ölfelder Bakus führen und gewinnen. Larissa begleitet ihn. Erik Lehnert schlüsselt in seinem Nachwort auf, wer sich hinter welchem Pseudonym verbirgt. Denn Illgen ist für Monate Teil der Diskussionszirkel rund um Arthur Moeller van den Bruck – und verwirft als Nationalbolschewist jede Hoffnung auf eine konservativ-revolutionäre Wende.
»Die Laternenpfähle warten geduldig, bis jene aufgebaumelt werden, die hängen müssen, bis wir einmal wieder die Freiheit des Handelns erlangen. Der Tag wird kommen.« Es gibt nur wenige Romane aus dem Dunstkreis der »Konservativen Revolution«, die einen solchen Ton anschlagen. Hubert E. Gilbert (1889–1944) genießt ihn aber in Laternenpfähle warten von 1932 sichtlich. Immer wieder spielt er mit dem Gedanken der Laternenpfähle, an denen die Feinde von Volk und Nation einst zu baumeln hätten. Einheit von Theorie und Praxis heißt hier: Der Autor selbst scheute keinen Kampf. Sein Leben beinhaltet verschiedenste Stationen: Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg, Freikorps-Kämpfe im deutschen Osten, Aktivitäten in der Sowjetunion, Verhaftung in der Weimarer Republik, Freundschaft mit Ernst Jünger und Franz Schauwecker, nationaler Sozialismus und »Schwarze Front«, Turbulenzen am 30. Juni 1934, später Zuträger der Deutschen im besetzten Dänemark und Ermordung durch eine Antifaschistin 1944 … ein bewegtes, oftmals undurchsichtiges Leben, das den Grundstein für ungewöhnliche Romane schuf. Laternenpfähle warten kann man kaum beschreiben: Man muss es gelesen haben. Der Untertitel »Ein Buch voll Unruhe« kann nur unterstrichen werden: Ruhe, Pausen, Langeweile – all das wird der Leser vergeblich suchen. Stattdessen: Feme, Tod und Abenteuer. Für die Protagonisten im Roman: lebensgefährlich. Für die Leser: ein Genuss. Mit einem kundigen Nachwort von Erik Lehnert.
»There's no longer any left or right. There's the system and the enemies of the system.« Eduard Limonow, spätestens seit der Gründung der Nationalbolschewistischen Partei eine der umstrittensten und widersprüchlichsten Figuren Russlands, lebt sein abenteuerliches Leben mit einer schwindelerregenden Intensität. Er hatte Sex mit unzähligen Männern und Frauen, wurde Familienvater, lebte als hungerleidender und partyfeiernder Dandy in den USA und in Paris, gründete eine Partei, kämpfte als Freiwilliger in diversen Kriegen, tötete und saß im Gefängnis. Seine politische Wandlung vollzog sich von extrem links nach extrem rechts – bis hin zur Auflösung dieser Begriffe. Carrère erzählt in dieser alle Genres sprengenden Romanbiografie, die den Leser von der ersten Seite an in gefesselte Aufmerksamkeit versetzt, die schillernde Geschichte Eduard Limonows, rekonstruiert ein Leben, das ihn fasziniert und auch abstößt – und skizziert wie nebenbei seine eigene Annäherung an das heutige Russland.
»Als hätte der StarWars-Erfinder George Lucas zusammen mit Jürgen Habermas, dem brillantesten Soziologen Deutschlands, einen Roman verfasst.« (Denis Scheck) Leif Randt schickt seine Protagonisten in eine bizarrutopische Welt, die an neue Popmythen ebenso erinnert wie an Klassiker des Hollywoodkinos. In den unendlichen Weiten des Weltraums existiert ein Sonnensystem, dessen sechs Planeten und zwei Monde von einer weisen Computervernunft regiert werden. Zwischen Metropolenplanet Blossom und Müllplanet Toadstool ist längst die neue Zeit angebrochen, eine postdemokratische Ära des Friedens und der Selbstkontrolle. Menschen haben sich zu Kollektiven zusammengeschlossen, die um die besten Lebensstile konkurrieren. Doch das Sonnensystem wird erschüttert, als das aggressive Kollektiv der gebrochenen Herzen von sich reden macht. Minzefarbene Giftwolken steigen von Marktplätzen und Sommercamps auf, tatsächliche Gewalt droht in die Planetengemeinschaft zurückzukehren. Können Marten Eliot und Emma Glendale, die beiden jungen Spitzenfellows des Dolfin-Kollektivs, den Umsturz verhindern?
Sebastian Schwaerzels Debütroman als große Anleitung der Selbstbehauptung: Der Protagonist, ein Kind dieser Zeit, verfällt in eine Abwärtsspirale der Selbstbesessenheit. Vom monotonen Stemmen der Eisengewichte getrieben, wandelt sich die Selbstbesessenheit in Selbstzerstörung. Irgendwo zwischen Internetpornografie und Fundamentalismus, fasst er den einen großen Plan: Was in der masochistischen Beziehung zu seiner queeren Mitbewohnerin beginnt, gipfelt in der Entscheidung, sich als Amokläufer und Selbstmordattentäter zu verewigen.
Mishimas legendärer Schlüsselessay endlich auf Deutsch! »Sonne und Stahl ist eine Darstellung meines fast schicksalhaften dualistischen Denkens und eine Erzählung über die physiologische Notwendigkeit, dualistisches Denken zu entwickeln.« (Yukio Mishima ) Yukio Mishima gilt als einer der bedeutendsten und meistübersetzten Autoren Japans. Er wurde nicht nur durch seinen Roman Bekenntnisse einer Maske, sondern auch durch seinen Selbstmord 1970 weltbekannt. Damals hatte er in Tokio in einer theatralischen Aktion einen Putsch zugunsten des japanischen Kaisers ausgerufen und dann vor aller Augen Harakiri begangen. In seinem autobiografischen Spätwerk Sonne und Stahl, das 1968 als Gesamttext veröffentlicht wurde, reflektiert Mishima vor dem Hintergrund seiner intellektuellen, spirituellen und physischen Entwicklung insbesondere die Beziehung zum eigenen Körper, zu dem er erst in seiner zweiten Lebenshälfte durch obsessives Training in Bodybuilding und Kampfkunst sowie einer Episode beim japanischen Militär einen positiven Bezug entwickeln konnte. Mittels einer eigenwillig subversiven und elektrisierend poetischen Metaphorik lässt er uns teilhaben an seiner Verwandlung vom »Mann der Worte« zum »Mann der Tat«. In dieser paradoxen Verfassung kreiert er, den parasitären Worten zum Trotz, eine mystische Sprache des Körpers, um seine persönliche »Fleischwerdung des Logos« zu inszenieren.
»Eine Squadra – die Jungen sind eine Squadra, ein Trupp. Sie sind zu viert, aber auch wenn sie bloß zu dritt oder sogar nur zu zweit wären, es wäre das gleiche: Sie wären ein Trupp, eine Squadra.« Nessun dolore, der italienische Titel dieses Romans von Domenico Di Tullio über das neofaschistische Projekt CasaPound, heißt wörtlich »Keine Schmerzen«. Der Verlag Antaios hat das Buch unter dem Titel Wer gegen uns? veröffentlicht. Es geht darin um die Geschichte junger Männer und Frauen, die vor der Wahl stehen, entweder einen bürgerlichen Weg einzuschlagen oder die Chance ihres Lebens zu ergreifen und Teil einer ebenso kompromisslosen wie faszinierenden Bewegung zu werden – Teil des Projekts CasaPound Italia. Wer sich von der Eingangsszene, dem Totengedenken an drei junge Kameraden auf der Via Acca Larenzia (immer am 7. Januar), nicht in diesen Roman ziehen lässt, ist blind und taub für die Gründungsmythen politischer Alternativen. »Sie sind also zu siebt. Es könnten auch noch mehr sein, aber ihre Zahl ist kein Problem. Das ist die erste Regel, die sie dir beibringen: Manches muß getan werden, ohne Ausnahme. Auch der halbe Meter Rundholz, den jene ab und zu bei sich tragen, erlaubt keine Ausnahme von dieser Regel. Frederico parkt ohne Eile am Bürgersteig und schaltet den Motor aus, während Nico sich schon die Handschuhe angezogen hat ...«
Unsere Kollegen von Hydra Comics haben Yukio Mishima zu seinem 50. Todestag ein Denkmal gesetzt – und zwar mit einem einzigartigen großformatigen Comicroman, der seinesgleichen sucht! Yukio Mishima war Schriftsteller, Regisseur, Schauspieler, Poet, Aktivist, Traditionalist und Putschist. Der Comicroman zu seinem Leben, seiner Kunst, seiner idealisierten Weltsicht und seinem spektakulären Tod bietet die Möglichkeit mittels beeindruckender Zeichnungen und umfangreicher Begleittexte, das Werk und das Wollen dieser noch heute verehrten Legende zu entdecken.